Produktcontrolling versus Liquidität

Produktcontrolling versus Liquidität

Einfluss des Produktcontrollings auf die laufende Liquidität des Unternehmens

 

Die Liquidität eines Unternehmens wird von vielen Faktoren beeinflusst. Unter diesem Gesichtspunkt ist es besonders wichtig, die kaufmännischen Begriffe von Ein- und Auszahlungen (Liquidität), Ein- und Ausgaben, Aufwendungen und Erträge und den Kosten und Leistungen zu unterscheiden. Einfluss auf die laufende Liquidität haben die Ein- und Auszahlungen. Diese sind vollkommen unabhängig von den Aufwendungen und Erträgen.

Ein Beispiel für die Auswirkungen der Liquidität: Im Januar des Jahres 01 wird eine Maschine mit einem Kaufbetrag von 3 Mio. Euro zzgl. 19% Umsatzsteuer bestellt. Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer betrage 10 Jahre. Anzahlungen sind zu 30% bei Bestellung zu leisten, 60% bei Meldung der Lieferbereitschaft und 10% bei Abnahme. Der Liefertermin ist der Februar 02. Die Abnahme ist im April 02.

Es werden zunächst die Aufwendungen betrachtet. Wegen der Steuergesetzgebung wird die Maschine am 01.04.02 aktiviert. Die Maschine wird für das Jahr 02 mit 9/12 von 300.000€ abgeschrieben. Im Jahr 03 mit 300.000€ usw. Die Abschreibung hat Einfluss auf den Gewinn der Jahre, aber nicht auf die Liquidität.

Im Folgenden werden die Einflüsse der Investition auf die Liquidität des Unternehmens betrachtet. Die Ergebnisse werden in einer Liquiditätsstabelle eingetragen:

 

Zeitpunkt Einzahlungen Auszahlungen Erklärung
01.01.01 1.071.000€ Anzahlung 1 plus USt
10.02.01 171.000€ Erstattung der VSt durch das FA
01.02.02 2.142.000€ Anzahlung 2 plus USt
10.03.02 342.000€ Erstattung der VSt durch das FA
01.04.02 357.000€ Anzahlung 3 plus USt
10.05.02 57.000€ Erstattung der VSt durch das FA

 

Während somit die Aufwendungen für Abschreibung erst im Jahr 02 Einfluss auf den Gewinn haben, haben die Ein- und Auszahlungen bereits erheblichen Einfluss auf die Liquidität des Unternehmens im Jahre 01.

 

Weitere Faktoren, die Einfluss auf die laufende Liquidität haben, sind z.B. laufende Lohn- und Gehaltskosten, Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgelder, Leasingraten, Betriebsstoffe, Mieten usw. Auf der Seite der Leistungen sind dies insbesondere die Zahlungseingänge der Kunden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die Auszahlungen für Rohstoffe und Halberzeugnisse für die laufende Produktion. Es soll im Folgenden nun näher beleuchtet werden, welchen Einfluss das Produktcontrolling auf die laufende Liquidität des Unternehmens hat.

 

Mit der oben genannten Maschine werden nun Fertigerzeugnisse hergestellt. Dazu werden laufend Rohstoffe wie Alugehäuse, Kabel, Nieten, Schrauben usw. bestellt. Es wird durch den Einkauf und das externe Produktcontrolling kalkuliert, welche Herstellkosten das Erzeugnis haben wird und dieser Preis wird Standardpreis genannt und ist ein Planpreis. Dieser Standardpreis wird nach einigen Monaten überprüft, wenn die Zielmengen produziert werden und sich das Produkt in Serienproduktion befindet. Am Ende jeden Monats werden die Ist-Herstellkosten mit dem Standardpreis verglichen und die Abweichungen ermittelt.

 

Der externe Controller schaut sich auf Detailebene die Abweichungen der einzelnen Bestandteile und Preise zu verschiedenen Kalkulations-Zeitpunkten an. Je größer die Abweichungen zum Standardpreis, desto größer sind die Auswirkungen auf die laufende Liquidität. Gerade Preisänderungen im Rohstoffbereich wie Alu können bei großen Stückzahlen die Liquidität massiv beeinflussen. In diesen Fällen ist Rücksprache zwischen externem Controlling und SCM notwendig, um Preissteigerungen zu verfolgen und zu planen und ggf. Preisanpassungen bei den Verkaufspreisen vorzunehmen. Darüber hinaus müssen Preisreduktionen im Einkauf budgetiert werden, damit Einkäufer konkret daran gemessen werden können. Die Möglichkeiten des externen Controllings sind vielfältig. Die Entwicklung der Liquidität muss dabei stets im Hinterkopf behalten werden.

Auf der Ertragsseite haben bei währungsübergreifenden Umsätzen Währungsschwankungen Einfluss auf die Liquidität. Es ist Aufgabe des externen Produktcontrollers, die Wechselkurse laufend zu beobachten und für das gesamt Jahr zu planen.

 

 

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